Druck dir deinen Büstenhalter!

Mode aus dem 3D Drucker

Mit 3D‑Druckern kann jeder alles produzieren: Tassen, Prothesen, Waffenteile oder Toastbrot. Aber bis zur Massentauglichkeit ist es noch ein weiter Weg

Vielleicht können wir in ein paar Jahren alle morgens eine halbe Stunde länger schlafen, weil keiner mehr das Frühstück vorbereiten muss. Einfach den Rechner hochfahren, auf dem Monitor „Spiegelei und Toast“ auswählen und auf „drucken“ klicken. Aus dem 3D‑Printer auf dem Frühstückstisch kommt dann wenig später das Essen. Wer vorher seine dritten Zähne verlegt hat, kann auch sein Gebiss auf diese Weise reproduzieren. Kein frisch gebügeltes Hemd zur Hand? Die Lesebrille zerbrochen? Kein Problem, der heimische 3D‑Drucker schafft das.

Derzeit läuft ein Hype um die „next trillion dollar industry“, der solche Szenarien erzeugt. Er wird vor allem aus Amerika befeuert. Der bekannte US-Ökonom Jeremy Rifkin erwartet von der 3D‑Drucktechnik nicht weniger als die nächste industrielle Revolution. Tatsächlich lassen sich heute schon Gegenstände wie Legosteine, Tassen oder Armbänder ausdrucken. Im Alltag sind 3D-Drucker jedoch längst noch nicht angekommen.

Raum 2014 der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen. Bevor die Revolution beginnen kann, müssen in der Gegenwart noch ein paar Sonderwünsche abgearbeitet werden. „René is the Fab Lab Master“ steht an der Tür, denn dahinter liegt das Reich des Informatikers René Bohne – etwa so groß wie eine Stehküche, aber vollgestellt mit modernen Apparaturen. „Fab Lab“ steht für Fabrication Laboratory, das Aachener war das erste seiner Art in Deutschland und wurde 2009 von Bohnes Professor Jan Borchers eröffnet. Die Idee zu den „Fab Labs“ kommt aus den USA. Unter Aufsicht und mithilfe der Wissenschaftler soll jeder die Möglichkeit haben, neueste Technologien auszuprobieren.

In Aachen geht das jeden Dienstag. Gerade nutzt Andreas Gottswinter das Angebot, ein 26 Jahre alter Maschinenbaustudent mit dem Schwerpunkt Luftfahrt. Er möchte einen Fanartikel aus dem Science-Fiction-Film „Avatar“ nachbauen: ein schwarzes Gehäuse mit dem Durchmesser einer CD, das mithilfe von Elektromagneten eine Plastikplakette in der Luft schweben lässt. Die Elektronik sei fast fertig, das Aluminiumgehäuse lasse er sich von Freunden gießen, erzählt er, nur diese dreidimensionale schwarze Plakette fehle ihm noch.

René Bohne hört zu und nickt. Diese Aufgabe stellt für seinen 3D‑Drucker kein Problem dar. „Er ist der Star hier“, sagt Bohne. Ihm gegenüber führen die hochpräzisen Laserschneider, die empfindlichen Geräte für Strommessungen oder eine Fräse, mit der man elektronische Leiterplatten herstellen kann, ein Schattendasein. Der Drucker steht hinten links, schwarz, so groß wie ein Kühlschrank. Er kostet rund 40 000 Euro und wiegt 140 Kilogramm. Drinnen im Gehäuse befindet sich der Druckkopf, der sich auf drei Achsen frei bewegen kann: Breite, Länge und Höhe. Das Gehäuse selbst, in dem gedruckt wird, ist gerade mal 30 Zentimeter hoch und 20 Zentimeter breit und lang. Über eine Spule zieht ein Motor dünnen Plastikdraht in den Druckkopf; der durch Wärme verflüssigte Kunststoff wird dann in Schichten auf eine Trägerplatte aufgetragen, langsam, Lage für Lage. »cicero

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